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Der Nuraghenkomplex von Barumini  
Der Nuraghenkomplex von Barumini
Barumini

CA [Cagliari]


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LAGE: Südliches Zentralsardinien

Angebote:
- Restaurant
- Agriturismo
- Hotel
- Bar

Ideal für:
Familien, auch mit Kindern
- Archäologieliebhaber
- Kulturliebhaber

Das Volk der Türme hat Sardinien eingenommen! Es hat auf der ganzen Insel seine Nuraghen verteilt. Es gibt keinen Winkel an der Küste oder im Landesinneren, an dem nicht ein Zeugnis der Existenz des Nuraghenvolkes steht. Eine geheimnisvolle Kultur, die in Barumini eines der herausragendsten Beispiele dieser vergangenen Architektur hinterlassen hat.
Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts lag zwischen den Orten Barumini und Tuili (am Fuß der Giara von Gesturi) ein ungewöhnlicher Hügel. Eigentlich war es nicht die Form, die einen so überraschte, sondern die Tatsache, dass eine Art Fensterchen zu sehen war.  Viele Jahre überlieferte und erzählte man sich Mythen und Legenden, die vor allem die Kinder davon abhalten sollten, sich diesem geheimnisumwitterten Ort zu nähern.
Ein junger Archäologe aus Barumini, Giovanni Lilliu, hat daher darum gebeten, dort Ausgrabungen durchzuführen. Er wollte herausfinden, was sich unter diesem Hügel und vor allem hinter diesem Fensterchen verbarg. Die Arbeiten begannen 1951 und selbst Lilliu konnte sich im Traum nicht vorstellen, dort einen so unglaublichen Schatz zu entdecken.
30 Meter unter der Erde war Su Nuraxi (die Nuraghe) versteckt: ein Koloss aus Stein, ein außerordentliches Zeugnis der Nuraghenkultur.
Der Nuraghenkomplex von Barumini beherrscht die gesamte umliegende Ebene und besteht aus einer enormen Nuraghe in Vierpassform, dessen zentraler Turm der älteste Bau ist. Dieser war im Original fast 20 Meter hoch und in drei Stockwerke aufgeteilt. Der Turm geht wahrscheinlich auf das Jahr 1478 v. Chr. (Bronzezeit) zurück und hatte mit Sicherheit ein überragendes Erscheinungsbild.
Die den Mittelturm umgebenden 4 Türme gehen wahrscheinlich auf das 13. Jahrhundert v. Chr. zurück. Zwischen den beiden Bauten hatten die Nuragher einen Innenhof gezogen, der den Hauptturm mit den vier Türmen (jeder der Türme wurde in Entsprechung der vier Himmelsrichtungen gebaut) verband. Im Innern des Hofes wurde ein 20 Meter tiefer Brunnen ausgehoben, der noch heute Trinkwasser führt und zeigt die fantastischen architektonischen Kenntnisse die Nuraghenkultur.
Der gesamte Bau (der mittlere Hauptturm und die Bastion in Vierpass – Form) wurde von einer drei Meter dicken Einfriedungsmauer umgeben. Diese wurde wahrscheinlich um das 11. Jahrhundert v. Chr. hinzugefügt, um den Komplex zu schützen und besser verteidigen zu können. Von diesem Moment an wurde der Zugang zur Festung für Eindringlinge noch schwieriger: Eine kleine Öffnung in 7 Metern Höhe war der einzige verbleibende Zugang. In den darauf folgenden Jahren wurden weitere 7 Türme um den Komplex erbaut, die das Bauwerk noch imposanter machten.
Um den Hauptkomplex herum findet man eine unglaubliche Anzahl von Nuraghenhütten, engen Gassen und ein weit entwickeltes städtisches Gefüge. Die Ausgrabungen haben gezeigt, dass sich das Dorf im Laufe der Jahrhunderte immer weiter entwickelt hat. In der Eisenzeit (8. Jahrhundert v. Chr.) war die „Beratungshütte“ (ein Bau mit Rundsitzen und Nischen in den Wänden) wohl der Mittelpunkt des Siedlungslebens. Der Nuraghenkomplex von Barumini war eine derart herausragende Festung, dass alle Bevölkerungen, die in diesem Gebiet geherrscht haben, ihn als Bollwerk nutzten. Aber es sind eben diese 30 Meter Erde, unter denen der Komplex verschwunden war, die sein Schicksal noch mysteriöser machen. Der Journalist Sergio Frau, Autor des Buches „Atlantika“ (Originaltitel: „Le Colonne d´Ercole. Un´inchiesta“) vermutet, dass Su Nuraxi von einer gigantischen Welle, die sich vom Golf von Cagliari bis nach Campidano (dem Gebiet südlich von Barumini) ausbreitete, überschwemmt worden sei und damit die Festung „verschluckt“ hätte. Eine Katastrophe, die erklären würde, warum viele Nuraghen in diesem Gebiet teilweise zerstört sind und dies eben genau an den Stellen, die in Richtung des Golfes von Cagliari liegen. Die beeindruckende Theorie von Sergio Frau geht sogar soweit, Sardinien als die antike mythische Insel Atlantis zu identifizieren. Damit hat er eine große Diskussion unter den Wissenschaftlern ausgelöst. Selbst Lilliu (der Su Nuraxi, als das Thema noch nicht so heiß diskutiert wurde, als den „Niedergeschlagenen Giganten“ bezeichnet hat) ist heute der Meinung, dass die These des Journalisten der Zeitung „Repubblica“ solide Ansatzpunkte enthält. Die Arbeit von Sergio Frau hat zu einer Wanderausstellung (Atlantikà) inspiriert, die bereits im Sitz der UNESCO (in Paris) und an der „Accademia dei Lincei“ (in Rom) gezeigt wurde.
1997 hat die UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation) Su Nuraxi zum Weltkulturerbe erklärt.

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